© LGB-RLP.de

© LGB-RLP.de

© LGB-RLP.de

„Pseudogley“ - Boden des Jahres 2015

Am WELTBODENTAG wird jährlich ein Zeichen für die Bedeutung der natürlichen Ressource Boden gesetzt. Am 04. Dezember 2014 wurde in Berlin mit einer nationalen Auftaktveranstaltung das "Internationale Jahr des Bodens 2015" eingeleitet und gleichzeitig für Deutschland der Pseudogley als "Boden des Jahres" 2015 vorgestellt.

Der Pseudogley (Stauwasserboden) ist ein in Mitteleuropa weit verbreiteter Boden, der durch seine intensive und kontrastreiche Färbung mit einem Bleichhorizont und einem lebhaften Fleckenmuster auch dem Laien auffällt. Seinen Namen verdankt der Pseudogley seiner Ähnlichkeit mit dem Gley (grundwasserbeeinflusster Boden).

Entstehung - Stauwasser

Pseudogleye sind durch Staunässe geprägte Böden. Wegen eines dichten Untergrundes versickert das Wasser nur unvollständig. Der jahreszeitliche Wechsel von Vernässung und Austrocknung bewirkt eine Quellungs- und Schrumpfungsdynamik und führt zur Lösung und Umverteilung von Eisen und Mangan. Beides zusammen erzeugt die typischen Horizontmerkmale wie Bleichung, Marmorierung und Konkretionsbildung.

Eigenschaften - Nass, kalt, nährstoffarm.

Der luftarme wasserführende Bodenhorizont ist durch Reduktionsprozesse grau gefärbt. Infolge von Auswaschung aus dem Oberboden sind Pseudogleye nährstoffarm, ihre Humusdecke ist geringmächtig, das Bodenleben ist eingeschränkt. Die Böden erwärmen sich nur langsam.

Nutzung - Wald- und Wiesenboden

Pseudogleye sind wegen der Staunässe und der damit einhergehenden Sauerstoffarmut im Frühjahr problematische Standorte und werden daher meist als Wiesen genutzt oder sind mit Wald bestockt. Häufig sind solche Standorte durch Drainagemaßnahmen verändert.

Wasserhaushalt

Die Mehrzahl der Pseudogleye in Rheinland-Pfalz sind auf geneigten Flächen zu finden. Das Stauwasser wird in diesem Fall im oberflächennahen Boden über der Stausohle hangabwärts geleitet. Es entsteht ein sogenannter Zwischenabfluss. Dieses Wasser wird in die Vorfluter geleitet und steht daher nicht für die Grundwasserneubildung zur Verfügung. Der Zwischenabfluss trägt zur Hochwasserbildung bei, Drainagemaßnahmen verstärken diesen Einfluss.

Verbreitung - Ebene Höhenlagen

Pseudogleye findet man in Rheinland-Pfalz vorwiegend auf den Hochflächen des Rheinischen Schiefergebirges, häufig dort, wo dichte Solifluktionsdecken ausgebildet sind. Auch dort, wo im Untergrund dichte Substrate, z. B. aus Tonen, sowie Ton- und Schluffsteine oder tonreiche Verwitterungsdecken des Tertiärs (Saprolith) anstehen, sind sie verbreitet. Die Karte zeigt Bereiche in Rheinland-Pfalz mit erhöhtem Auftreten staunässebeeinflusster Böden sowie einige ausgewählte Beispiele.