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3D-Ansicht der Cochemer Oberstadt

3D-Ansicht der Cochemer Oberstadt. Die Oberstadt ist einem Kessel gelegen. Auffällig ist die vergleichsweise geringe Geländeneigung, die das Resultat einer fossilen Großrutschung ist. Der Kessel ist in der Abbildung blau eingerahmt. Außerdem ist die ungefähre Lage des NKWT angegeben (Grafik LGB) © LGB-RLP.de

Cochem ist in einem nach Norden bis Nordosten geöffneten Kessel gelegen

Die Oberstadt von Cochem ist in einem nach Norden bis Nordosten geöffneten Kessel gelegen. Der Kessel ist in der Abbildung grün eingerahmt. Die Hauptbegrenzungslinien sind an der Schichtung/Schieferung und der Querklüftung des Gesteinsuntergrundes orientiert (Karte LGB) © LGB-RLP.de

Die Grenzfläche der Lockergesteinsdecke

Die Abbildung stellt die Grenzfläche der Lockergesteinsdecke zum darunter anstehenden Schieferfels im Bereich der Cochemer Oberstadt dar. Die beiden Tunnel treten zweimal aus dem Schiefergebirge heraus bzw. kreuzen eine doppelte „Rinnen-“/ “Muldenstruktur“ mit jungen Lockergesteinsböden (Modell LGB) © LGB-RLP.de

In dieser Bohrung steht bis etwa 28 m Tiefe quartäres Lockergestein und darunter Devon-Fels an.

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Die Kombination verschiedener topographisch-geologisch-geotechnischer Gegebenheiten weist auf eine fossile Großrutschung im Bereich der Cochemer Oberstadt hin. Die Tonschiefer sind durch häufige Stör- bzw. Gleitzonen mit mehreren Metern mächtigen Kataklasiten, Harnische und eine zum Teil intensive Zerlegung gekennzeichnet. Die fossile Rutschung setzt sich nicht aus einem homogenen Rutschkörper zusammen, sondern stellt vielmehr eine zusammengesetzte Rutschmasse, bei der einzelne Schollen zu unterschiedlichen Zeiten aktiv waren, dar. Durch die Rutschung bedingte Reliefunterschiede wurden durch spätere Lockergesteinsablagerungen wieder ausgeglichen. Dies erklärt auch die sehr unterschiedlichen und außergewöhnlich großen Lockergesteinsmächtigkeiten Hinweise darauf können die große Mächtigkeit der quartären Lockergesteinsdecke sowie  deren unsortierte bzw. unregelmäßige Zusammensetzung.

Schnitt parallel zur Längsachse des NKWT.

Schnitt parallel zur Längsachse des NKWT. Der NKWT verläuft in der Cochemer Oberstadt innerhalb einer fossilen Großrutschung. Die Lockergesteinsböden des Quartär (gelb) füllen die Räume zwischen den einzelnen Rutschschollen (hellviolett) aus (Grafik LGB) © LGB-RLP.de

Somit sind grundsätzlich reduzierte Standsicherheitsreserven für den Untergrund der Cochemer Oberstadt anzunehmen, so dass bereits vergleichsweise kleine Belastungsänderungen unterschiedliche Prozesse, wie z.B. Verformungen, anstoßen können, was allerdings noch keine direkte Konsequenz für den Tagesbruch ist. Weiter ist infolge von Rutschprozessen mit veränderten Bedingungen hinsichtlich des Grundwassersabflusses sowie der Lagerungsverhältnisse zu rechnen.

Schnitt parallel zur Längsachse des NKWT.

Schnitt parallel zur Längsachse des NKWT. Genau unter dem Grundstück mit dem späteren Tagesbruchs wurde erstmals die Grenze Fest- zu Lockergestein durchfahren (ergänzter Ausschnitt des Stützdruckplans der DB AG vom 20.04.2011) © LGB-RLP.de

Profil der Rammsondierungen DPH 1 bis DPH 4 quer zur Tunnelachse.

Profil der Rammsondierungen DPH 1 bis DPH 4 quer zur Tunnelachse. Die beiden direkt über dem Tunnel niedergebrachten Rammsondierungen DPH 2 und DPH 3 zeigen deutliche Auflockerungen des direkt über der Tunnelfirste anstehenden Bodens (Grafik LGB)
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Bei der Auswertung der Maschinendaten sind große Schwankungsbreiten zu berücksichtigen. Das Gewicht der Bodenmassen des Tagesbruchs von etwa 40-50 t liegt noch innerhalb des Toleranzbereichs des Fördergewichtes pro Tunnelring (2 m lang) und würde daher nicht auffallen. Rammsondierungen, die nach dem Tagesbruch im Bereich des betroffenen Grundstücks niedergebracht wurden, zeigen direkt über der Tunnelfirste Auflockerungen an.

Darstellung des je Tunnelring protokollierten Abtransport des gelösten Materials.

Darstellung des je Tunnelring protokollierten Abtransport des gelösten Materials. Das Festgestein hat ein spezifisch höheres Gewicht, so dass der Wechsel des Vortriebs vom Fest- zum Lockergestein auf Höhe des Grundstücks mit dem Tagesbruch nachvollziehbar ist. Ansonsten zeigen diese Daten keine Auffälligkeiten (Grafik LGB) © LGB-RLP.de

Zusammenstellung der möglichen Ursachen für den Verbruch

Zusammenstellung der möglichen Ursachen für den Verbruch © LGB-RLP.de

Zusammenstellung der möglichen Ursachen für den Verbruch vom 16.12.2011 sowie der Wahrscheinlichkeit der verschiedenen Ursachen:

+ prinzipielle Voraussetzungen für Schadenursächlichkeit liegen vor

0 Schadensursächlichkeit kann weder bewiesen noch ausgeschlossen werden

-  Schadenursächlichkeit ist wenig wahrscheinlich oder plausibel

Gefahr weiterer Tagesbrüche

Unter der Annahme, dass die Tunnelbaumaßnahme (mit)ursächlich für den aufgetretenen Tagesbruch ist, besteht ein erhöhtes Risiko für Tagesbrüche entlang der Tunneltrassen. Dies gilt besonders für Bereiche mit Lockergesteinsüberdeckung. Im Bereich des südlichen Friedhofsbereichs besteht eine zum Grundstück mit dem aufgetretenen Tagesbruch vergleichbare Untergrundsituation, da auch hier der Tunnel aus dem Fels in eine quartäre Rinne austritt. Hier wird jeweils eine geeignete Nacherkundung des Baugrundes empfohlen.

Weitere untergrundbedingte Gefahre

Außer einem Tagesbruch wurden folgende weitere Gefahren geprüft:

  • Geländesenkungen, Geländeverschiebungen, Rutschungen
    Nach Abschluss des Vortriebs sind keine direkten Bodenbewegungen infolge des Baus des NKWT zu erwarten. Somit besteht derzeit grundsätzlich ein im Vergleich zur Vortriebsphase relativ geringes Risiko bezüglich Geländesenkungen, Geländeverschiebungen und Rutschungen. Unabhängig davon, können durch folgende Umstände dennoch auf Dauer Bodenbewegungen und schädliche Veränderungen an Bauwerken nicht ausgeschlossen werden.
  • Grundwasseranstieg/Vernässungen
    Durch den Bau des NKWT wurden bereichsweise die Untergrund- und Grundwasserverhältnisse dauerhaft verändert. Durch die geplante Erneuerung des alten Kaiser Wilhelm-Tunnels einschließlich der Abdichtung werden aller Voraussicht nach nochmals die (Grund) Wasserverhältnisse verändert.


Weiterführende Maßnahmen
Die vorhandene Datengrundlage ist insgesamt nicht ausreichend, um die äußerst komplexen hydraulischen Verhältnisse hinreichend aufzulösen. Zur zweckmäßigen Erfassung der hydrogeologischen Verhältnisse sowie zur deren Überwachung werden vom Landesamt für Geologie und Bergbau weitere Erkundungs-, Kontroll- und Überwaschungsmaßnahmen notwendig. Schwerpunkt hierbei sind die Überwachung der Grundwasserverhältnisse und Hangstabilität im Hinblick auf die geplante Abdichtung des alten Kaiser Wilhelm-Tunnels.

Folgende Maßnahmen werden empfohlen:

  • Abteufen zusätzlicher Bohrungen und Ausbau zu Grundwassermessstellen und Inklinometermessstellen
  • Stichtagsmessungen unter Berücksichtigung jahreszeitlicher Variationen
  • Ausstattung ausgewählter Grundwassermessstellen mit Datenloggern
  • Hydrochemische Analysen bei den Stichtagsmessungen
  • Markierungsversuche
  • Erkundung der Bachläufe (insbesondere die verrohrten Abschnitte)
  • Modifizierte und ergänzte Wiederaufnahme der Höhen- und Lagekontrolle von Gelände- und Gebäudepunkten
Projektstatus

abgeschlossen

Ansprechpartner
  • Geologiedirektor

  • Wehinger, Ansgar

  • 06131 / 9254 - 367
  • E-Mail
  • Geologierat

  • Storz, Roman

  • 06131 / 9254 - 310
  • E-Mail