Das Leitbild und die strategischen Ziele des Landesamtes für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz (LGB)

- Prof. Dr. Harald Ehses
Die Situation der öffentlichen Verwaltung ist geprägt durch steigende Anforderungen einerseits und knappe Ressourcen andererseits. Das Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz stellt sich dieser Herausforderung. Seit einigen Jahren führt die interne Innovation zu mehr Bürgerfreundlichkeit und Dienstleistungsorientierung, zu mehr Effektivität und Effizienz. Voraussetzung für die Umsetzung dieser Ziele ist ein abgestimmtes Handeln aller Beteiligten. Leitbilder erhalten als Orientierungsraster für ein abgestimmtes Handeln eine zentrale Bedeutung. Mit der Verabschiedung und der Veröffentlichung eines Leitbildes allein ist dieser Prozess aber nicht abgeschlossen. Vielmehr muss gemeinsam die Umsetzung dieses Leitbildes aktiv und gezielt betrieben sowie seine Wirkung und Weiterentwicklung gewährleistet werden. Dies wird durch die Definition der strategischen Ziele unseres Amtes nach innen und außen eindeutig dokumentiert. Das nachfolgende Leitbild und die darauf aufbauenden strategischen Ziele werden ihre motivierende Wirkung nach innen entfalten, sie vermitteln aber auch nach außen unsere Vorstellung von einer modernen Dienstleistungsbehörde. Für diese selbstverpflichtende Zielbeschreibung danke ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Wir - die Beschäftigten des Landesamtes für Geologie und Bergbau
1. Konflikte lösen, Wirtschaft beleben
Wir - die Beschäftigten des Landesamtes für Geologie und Bergbau
- stellen die Bedürfnisse der Gesellschaft und die Bürgernähe in den Mittelpunkt unserer anwendungsorientierten Aktivitäten und werden mit unseren Leistungen und Produkten den Bedürfnissen unserer Bürger und Kunden gerecht.
- sind eine Dienstleistungsbehörde, in der wirtschaftliches, kostenbewusstes und ergebnisorientiertes Handeln sowie Qualitätssicherung selbstverständlich sind.
- arbeiten unter- und miteinander vertrauensvoll und kollegial und legen dabei erhöhten Wert auf Unvoreingenommenheit, gegenseitige Wertschätzung, Informationsfluss sowie interdisziplinäres Handeln.
- fördern die Beschäftigten durch zielorientierten Mitarbeitereinsatz, gesundheitsgerechte Arbeitsplätze sowie Fort- und Weiterbildung und üben Führungsverantwortung durch Glaubwürdigkeit und Kritikfähigkeit.
- entwickeln innovative Konzepte, die für unser Land einen nachhaltigen ökonomischen und ökologischen Nutzen haben.
- haben Genehmigungs-, Aufsichts- und Überwachungsaufgaben, sind Beratungs- und Serviceinstanz und nehmen Moderatoren- und Konfliktmanagementfunktion wahr. tragen durch unsere Produkte und Arbeitsleistungen zur Fortentwicklung des Landes und zur Verbesserung der Lebensumstände der Menschen bei.
- optimieren unsere Kernkompetenz in der Beurteilung von Georisiken und Interpretation von Geopotentialen des jeweiligen Aufgabengebietes.
- betreiben eine offene Informationspolitik und fördern den Dialog mit der Öffentlichkeit.
- erledigen unsere Aufgaben
- zeitnah im Rahmen der rechtlichen Vorgaben, unparteiisch und unabhängig zum Wohle der Allgemeinheit.
Strategische Ziele
Auf Basis dieses Leitbildes ist es eine der Kernaufgaben des LGB, Georessourcen und Geopotenziale zu erfassen sowie Georisiken zu beurteilen und auf sie hinzuweisen. Damit leistet das LGB einen fundamentalen Beitrag zur Daseinsfür- und -vorsorge. Die folgenden strategischen Ziele geben einen Überblick bezüglich der Hauptprogramme und Schlüsselthemen, die zum größten Teil auch länderübergreifend die Aufgaben der Staatlichen Geologischen Dienste definieren:
1. Konflikte lösen, Wirtschaft beleben
| Moderation | Der Ausbau der Infrastruktur und die Investitionsvorbereitung werden auf Grund von meist konkurrierenden Interessen (Wirtschaft/Umwelt/Bürgeranliegen) in der Planung und Genehmigung zunehmend komplizierter. Das LGB hilft mit und durch geowissenschaftliche Fakten, Konflikte durch Versachlichung zu lösen, Lösungen zu optimieren sowie bei Variantenvergleichen abzuwägen. |
| Planung | Die Erhebung geowissenschaftlicher Grundlagendaten ist die Basis für Planung und Entscheidungsfindung. Sie und die sie begleitenden angewandten Aufgaben (z.B. eigenständige Analysen) bilden die Voraussetzung für die sachbezogene objektive Wahrnehmung öffentlicher Belange in Behördenverfahren, in der Raumordung und Landesplanung, in der Bodenordnung und im Bodenschutz, im Natur- und Landschaftsschutz und allen weiteren geowissenschaftlich relevanten Fragen von öffentlichem Interesse. |
| Dokumentation | Wesentliche Arbeitsgrundlage sind die über viele Jahrzehnte aufgebauten und ständig aktualisierten Dokumentationen, Sammlungen und Datenbanken des LGB. Sie ermöglichen dem LGB zeit-, personal- und kostengünstig auf Anfragen zu reagieren sowie Planung und Ausführung von Arbeitsprogrammen und Projekten effektiv zu gestalten und repräsentieren bereits heute eine unschätzbare geistige und materielle Quelle für die Gesellschaft. Der Informationsstand muss für die Zukunft gesichert sowie an sich ändernde Anforderungen angepasst und bedarfsorientiert ausgebaut und aktualisiert werden. |
2.Georessourcen und Geopotentiale erfassen und nutzen
Die Ressourcen der Erde sind begrenzt. Die genaue Kenntnis über ihre Qualität und Verbreitung bildet die Voraussetzung für die nachhaltige Entwicklung der Regionen unseres Landes. Die geologischen, bodenkundlichen, hydrogeologischen und rohstoffgeologischen Kenntnisse sind deshalb auch künftig qualifiziert vorzuhalten.
| Boden | Der Boden als Produktionsmittel für Nahrung ist die wichtigste Lebensgrundlage des Menschen. Gerade in Zeiten mit starkem Struktur- und Nutzungswandel ist ein Flächenmanagement auf der Basis fachlich fundierter und detaillierter Kenntnis der Böden mit dem Ziel einer Qualitätssicherung des Produktionsmittels Boden unverzichtbar. |
| Beispiel: Rheinlandpfälzische Böden produzieren ca. 65 % des deutschen Weins. Diese Weinbergsböden bestimmen einen wesentlichen Teil der Standortqualität und der Identität einer Weinlage und sind somit eine Grundlage sowohl für die Qualität des Weines als auch seiner Vermarktungsmöglichkeiten. | |
| Ziel: Der Dokumentation und Qualitätssicherung unserer Böden gilt das besondere Interesse des LGB. Diese Aufgben werden in enger Kooperation mit der Landwirtschafts- und Weinbauverwaltung sowie den Erzeugern und Vermarktern wahrgenommen. | |
| Grundwasser | Wasser ist neben Boden der wichtigste Rohstoff des Menschen. Fast das gesamte Trinkwasser in Rheinland-Pfalz hat als Grundwasser eine Bodenpassage erfahren. Grundwasser ist aber auch Rohstoff für die Getränkeindustrie. Beispiel: Rheinland-Pfalz ist das Bundesland mit der größten Mineralwasserproduktion Deutschlands. |
| Ziel: Die Aufsuchung, die umweltverträgliche Nutzung sowie der Schutz der Ressource "Grundwasser" zählt zu den besonders wichtigen Aufgaben des LGB. Aber auch die zahlreichen Heilbäder mit ihren Heil- und Thermalwässern stellen einen besonderen Interessensbereich dar. Die Aufgaben werden in enger Kooperation mit den Nutzern und der Wasserwirtschaftsverwaltung durchgeführt. | |
| Baugrund | Geeigneter, tragfähiger Baugrund ist die entscheidende Voraussetzung für die Realisierung von Bauvorhaben und somit ein bedeutsames Wirtschaftsgut. Beispiel: Im Rahmen seiner ingenieurgeologischen Beratungstätigkeit gibt das LGB geotechnische Hinweise für eine sichere, zweckmäßige und wirtschaftliche Errichtung von Trassen- und Flächenbauwerken. Ziel: Baugrundbeurteilungen, die Analyse und Sanierung untergrundbedingter Schäden an Bauwerken, die Begutachtung von Stollen- und Tunnelbauwerken sowie unterirdischen Hohlräumen im Fels, Standsicherheitsbeurteilungen von Böschungen und natürlichen Hängen, ferner Gerichtsgutachten und die Prüfung von Fremdgutachten sowie Bergschadensangelegenheiten werden vom LGB kompetent bearbeitet. Die Aufgaben werden in Zusammenarbeit mit den Bauverwaltungen der Kommunen und des Landes wahrgenommen. |
| Mineralische Rohstoffe /Energie / Bergbau | Die Versorgung der Wirtschaft mit mineralischen Rohstoffen erfordert eine vorsorgende abgesicherte Raumplanung auf der Grundlage rohstoffgeologischer Daten und Analysen. |
| Beispiel: Die rohstoffgewinnenden Unternehmen erwarten von der Verwaltung eine langfristige Planungssicherheit. | |
| Ziel: Das LGB verfügt gerade auf dem Gebiet der mineralischen Rohstoffe und Energieressourcen (Steine und Erden, Industrieminerale, fossile Energieträger, Geothermie, behälterlose Speicherung) über besonderen Sachverstand und setzt ihn im Sinne der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes ein. | |
| Der Bergbau versorgt die Menschen mit allen lebensnotwendigen mineralischen Rohstoffen. Er steht an erster Stelle der Wertschöpfungskette. Die Entwicklung des Menschen und sein Lebensstandard waren stets abhängig von der Verfügbarkeit bergbaulicher Produkte. Der Bergbau schafft und sichert Arbeitsplätze. | |
| Beispiel: Technischer Fortschritt war und ist undenkbar ohne Rohstoffe, die durch den Bergbau zur Verfügung gestellt werden. Diese innere Verflechtung der mineralischen Rohstoffe mit der übrigen Volkswirtschaft zeigt die Unverzichtbarkeit der Rohstoffe, des Bergbaus und der rohstoffnahen Industrien für ein stabiles Wirtschaftswachstum. Ziel: Das LGB unterstützt die nachhaltige Entwicklung im Bergbau und in der Rohstoffpolitik, um die Ziele Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit zu gewährleisten. | |
| Der Aufsicht der Abteilung Bergbau des LGB unterliegen das Aufsuchen, Gewinnen und Aufbereiten der im Bundesberggesetz (BBergG) aufgeführten bergfreien und grundeigenen Bodenschätze. Hierzu zählen auch die erforderlichen Betriebsanlagen und sämtliche Maßnahmen, so weit sie im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Bergwerksbetrieb stehen. Beispiel: Rheinland-Pfalz besitzt einen reichen Schatz an oberflächennahen Bodenschätzen und die Chance, Erdwärme zu nutzen, ist im Rheingraben bundesweit einmalig. Ziel: Das LGB führt diese Aufgabe der Bergaufsicht als Dienstleistungsbehörde im Sinne der Rohstoffindustrie und der Gesellschaft durch. Es sorgt für die Einhaltung von angemessenen Umwelt- und Arbeitsschutzstandards. |
3. Georisiken minimieren
| Datenerhebung | In Kulturlandschaften mit ihren z.T. dicht besiedelten Lebensräumen stellen sowohl geogene als auch anthropogene Georisiken eine latente Gefahr für den Menschen, seinen Siedlungsraum, die Infrastruktur sowie für seine natürlichen Ressourcen wie Wasser und Boden dar. Ziel: Das LGB erhebt, dokumentiert und bewertet potenzielle Georisiken und gibt Handlungsempfehlungen zur Risikovermeidung bzw. minimierung. |
| Begutachtung | Die Beurteilung der Georisiken, wie Erdbebengefährdung, gravitative Massenverlagerungen, Baugrundschwächen, Subrosionsauswirkungen, Hangrutschungen, Felsstürze, Bodenerosion, Schadstoffanreicherung und ausbreitung in Boden und Grundwasser, Beeinträchtigung der natürlichen Bodenfunktionen durch Nutzungseinflüsse sowie detaillierte Gefahrenanalysen und Sanierungsempfehlungen gehören zur unentbehrlichen Routinearbeit des LGB. |
| Risikominimierung | Anforderungen aus EU-rechtlichen Vorschriften/ Harmonisierungen sind eine ständige Herausforderung. Beispiel: Die EU-Wasserrahmenrichtlinie zeigt deutlich, wie die Arbeit des LGB in überregionale Projekte zur Risikominimierung einfließt. Ziel: Interdisziplinäres projektorientiertes Handeln sichert die sinnvolle und gesellschaftlich notwendige Umsetzung von gesetzlichen Vorgaben. |
| Genehmigung | Die Genehmigungen zum Rohstoffabbau sind Basis der Handlungspielräume der Bergbauunternehmen. Beispiel: Der Gestaltungsrahmen in den Genehmigungsverfahren berührt viele Konfliktfelder der Gesellschaft. Ziel: Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass es für die erfolgreiche Durchführung von essenzieller Bedeutung ist, die Genehmigungsverfahren auf oberer Verwaltungsebene, landesweit einheitlich, im Rahmen eins einheitlichen Rechts (dem Bundesberggesetz) durchzuführen. |
4. Dienstleistung optimieren
| Öffentlichkeitsarbeit | Die Öffentlichkeitsarbeit ist wesentlicher Bestandteil des LGB, um die Relevanz geowissenschaftlicher Erkenntnisse und Informationen für die Lösung aktueller und langfristiger Aufgaben der Gesellschaft auch durch Einsatz elektronischer Medien wie Internet und Fernsehen deutlich zu machen. |
| Geomarketing | Die Tourismusbranche ist in Rheinland-Pfalz ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Geomarketing bietet die Möglichkeit, Geowissenschaften und Bergbau für die Öffentlichkeit sichtbar und erlebbar zu machen sowie geotouristische Attraktionen in den Ferienregionen des Landes anbieten zu können und ist daher weiter auszubauen. |
| Produktmarketing | Die Produktvielfalt des LGB reicht von der Beschreibung von Geotopen über Bereitstellung von Karten bzw. Daten und die Genehmigung von Betriebsplänen im Bergbau bis hin zur fachlichen Beratung von Tourismus- und Bildungseinrichtungen. |
| Beispiel: Geowissenschaftliche Themen können zur Unterstützung des Marketing von Wein, landwirtschaftlichen Produkten, Produkten der Getränkeindustrie sowie der verarbeitenden Industrie im Bereich Steine und Erden eingesetzt werden. | |
| Ziel: Es ist notwendig, die regionalen, kundenspezifischen Wünsche zu erkennen und zielgruppenorientierte Produkte anzubieten. Eine für den Laien verständliche Sprache ist dabei von besonderer Bedeutung. |
